#7 klettern verboten

Immer geradeaus Richtung Norden – für uns Mitteleuropäer ist das kein Indiz für Aussicht auf gutes Wetter, aber auf der Südhalbkugel ist halt alles anders.
Meine Tage auf dem Stuart Highway Richtung Norden waren wirklich sehr beeindruckend. Ich habe mir ja schon vorher ausgemalt, wie es wohl sein wird Tausende Kilometer auf einer Straße unterwegs zu sein, aber auch hier fehlen mir die Worte es beschreiben.

Auf dieser Route herrscht so wenig Verkehr, dass jedes entgegenkommende Fahrzeug freundlich mit einem „Daumen hoch“ begrüßt wird. So ganz habe ich diese Geste nicht verstanden, aber ich habe es nach einer Weile als ein „Alles in Ordnung“ interpretiert. Um ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bringen, habe ich mich hin und wieder fürs Victory Zeichen entschieden. Ihr merkt schon, man hat wirklich viel Zeit über solche Dinge nachzudenken.

Schon vorab habe ich mir allerhand Musik und Hörbücher runtergeladen. Und so verbrachte ich die Stunden auf dem Highway in Gedanken versunken Musik hörend oder voller Spannung einem Hörbuch von Sebastian Fitzek lauschend.

Spannend wurde auch es, wenn man einem Road Train begegnete. Diese unfassbar langen LKWs mit einer Länge von 53 Metern lassen einem schon mal wieder beide Hände ans Lenkrad wandern, um jetzt bloß keinen Fehler zu machen. Ein Überholvorgang eines solchen Giganten sollte aufgrund der Länge auch sehr gut kalkuliert werden.
So kommt wenigsten keine Langeweile auf….
 
Nach etwas über 1000 Kilometer und vier Tagen auf dem Highway habe ich das Erldunda Roadhouse erreicht.
Von hier aus muss man nur noch einmal links abbiegen und erreicht den Uluru… Naja, einmal links abbiegen bedeutet in Australien weitere 260 Kilometer geradeaus.
Ich entschied mich zwei Nächte in Erldunda zu verbringen, um anschließend entspannt und ausgeruht den Uluru zu besichtigen.
 
Nachdem ich also zwei Tage meiner portablen Solaranlage beim Strom produzieren zugeguckt und es genossen habe, mal nicht hinterm Steuer zu sitzen, habe ich mich ausgeruht und voller Erwartungen aufgemacht Richtung Yulara.
 
Auf etwa halber Strecke entdeckt man am Horizont einen großen kastenförmigen Berg. Da ich selbstverständlich vorher schon in einem Blog über diesen Berg gelesen habe, ist mir dieser Trugschluss natürlich nicht unterlaufen. 
Der Mount Connor, der sich plötzlich am Horizont aufmacht, wird nämlich von vielen Touristen fälschlicherweise als „der erste Blick auf dem Uluru“ verbucht. Dennoch, hübsch anzusehen dieser Tafelberg.

Aber dann war es auch für mich soweit: Schon ein paar Kilometer vor dem Dörfchen Yulara ist der Uluru zu sehen.
Und tatsächlich war diese erste Begegnung sehr faszinierend. Es ist gar nicht mal das optische, sondern eher das Gefühl.
Dieses Gefühl angekommen zu sein. Das Gefühl, in der Mitte eines Kontinents zu sein.
Tatsächlich ein sehr beeindruckendes Erlebnis.
 
Mein erster Anlaufpunkt war das Visitor Center. 
Eine wirklich nett gestaltete Anlage, in dem es allerhand Informationen über die Geschichte des Ulurus und die Aborigines zu Erfahren gibt.
Nach ausgiebiger Erkundungstour durch das Center habe ich mich dann auf zum nahe gelegenen Uluru gemacht, um mir das ganze mal aus der Nähe an zu sehen.

Für den einheimischen Stamm der Aborigines ist dieser Berg eine heilige Stätte und so stolpert man an jeder Ecke über Tafeln, die das Fotografieren sensibler heiliger Stellen aus Respekt untersagen und die ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Besteigen dieses Berges nur den obersten Stammesführern obliegt.
Dennoch erblickt man schon aus der Ferne einen langen Faden an Touristen, der sich mühsam bei 30 Grad den Berg hoch hangelt. 

Natürlich habe ich mich dieser Gruppe nicht angeschlossen.
Ich habe der Kultur und diesem wunderschönen Berg meinen Respekt gezollt, indem ich in Begleitung von Dreikommafünfmillionen Fliegen diesen Berg zu Fuß umrundet habe. Die Dimensionen werden einem vielleicht deutlich, wenn ich erwähne, dass ich für eine Umrundung 2,5 Stunden benötigt habe.
 
Für alle die, die diese Stätte jemals besuchen, bitte: Klettern verboten!


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