#3 Welcome to the construction site

Schon vor meiner Ankunft in Australien habe ich natürlich meine Fühler ausgestreckt. Schließlich bin ich mit einem Work-and-Travel-Visum unterwegs und wohl oder übel kommt da nu mal auch Work drin vor.
Ein Job musste her…

Drei Tage nach meiner Ankunft in Melbourne traf ich also eine nette Familie, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein über 100 Jahre altes Haus zu sanieren und gerne meine Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Ziemlich schnell sind wir uns mit allen Formalitäten einig geworden und somit stand dem ersten Arbeitstag nichts mehr im Wege.
Nun gut, Arbeitsklamotten brauchte ich… Schon vor zwei Jahren lernte ich BIG W schätzen und lieben.
Ein Laden, in dem es wirklich alles gibt. Erdnussbutter, Duschgel, Campingausrüstung, Messer und Gabel, Unterwäsche und eben auch Arbeitskleidung.
So besorgte ich mir am Wochenende ein Paar Arbeitsschuhe, eine Hose sowie ein blau kariertes Flanellhemd. Ich sah wirklich aus wie ein kanadischer Baumfäller…
Das Einzige, was es bei BIGW nicht käuflich zu erwerben gab, ist eine White Card….
Um in Australien einen Job im Baugewerbe durchführen zu können, benötig man eine White Card. Man kann sich das wie eine Sicherheitsbelehrung vorstellen.
Bitte tragen Sie auf einer Baustelle keine Flipflops, stellen Sie sicher, dass Sie immer einen Bauhelm tragen, vergessen Sie ebenfalls nicht die gelbe Warnweste zu tragen und drücken Sie wirklich niemals auf den roten Knopf! Es sei denn man fordert sie ausdrücklich dazu auf.
Meine Recherche in Deutschland hatte ergeben, dass man diese White Card über zwei Wege erlangen kann: Man setzt sich in einem achtstündigen Kurs mit anschließender Prüfung oder man absolviert einen Onlinekurs.
Gemütlich wie ich bin, habe ich natürlich den Onlinekurs gewählt.
So weit so gut.
Ich hatte also 130 Fragen zum Thema Sicherheit am Arbeitsplatz zu beantworten. Anfangs behauptete ich, dass ich entspannt auf Englisch ein Bier bestellen kann und jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass ich alle nötigen und unnötigen Begriffe der Baubranche verstehen und interpretieren kann. Das mit dem Bier, übe ich dann ein anderes mal.
Was jedoch in keinem der einschlägigen Foren für Backpacker erwähnt wurde ,ist, dass nach diesen 130 Fragen noch drei weitere Teile folgen.
Ich musste via Videochat demonstrieren, wie ich meine Sicherheitsausrüstung trage, dann musste ich drei Aufgaben frei beantworten und mich ebenfalls dabei filmen lassen und zu guter Letzt fand noch ein Telefoninterview statt. Alles in allem hochgradig unangenehm.
Wer sich das Demonstrationsvideo ansehen möchte, kann gerne auf diesen Link klicken und versuchen, vorzustellen, wie ich dabei ausgesehen habe.

Ok, Arbeitskleidung Check, White Card Check… Es konnte also losgehen mit meiner Karriere als Bauhelfer in Australien.Das Projekt ist wirklich sehr interessant. Es handelt sich um ein Haus aus dem Jahre 1902 ,welches komplett saniert wird. Meine Arbeitsbeschreibung ist recht einfach: Alles.
In den ersten Wochen war ich bereits Maurer, Tischler, Maler und die gute Fee, die den Bau sauber hält und für Ordnung sorgt.
Zu meinem Bedauern kann ich als ausgebildeter Elektriker nicht ohne weiteres meinen Job ausführen, da mir die australische Lizenz fehlt. Diese nachzuholen ist möglich, jedoch mit großem Aufwand verbunden.
Aber um ehrlich zu sein, bin ich recht glücklich mit meinen Aufgaben und freue mich darauf, neue Fähigkeiten zu erlernen und alte wieder zu reaktiveren.
Es ist wirklich ein gutes Gefühl, gefordert zu werden und eine sinnvolle Aufgabe im Alltag zu haben. So langsam bin ich auch angekommen und Routine kehrt ein.

In der Galerie findet ihr ein paar Eindrücke von der Baustelle und von meinen Streifzügen durch Melbourne.


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1 Response to #3 Welcome to the construction site

  1. Pohle Monika sagt:

    Sieht bis jetzt schon ganz gut aus.Scheint eine interessante Arbeit zu sein.Das wichtigste ist die richtige Einstellung,der Rest kommt von allein.
    Schöne Grüße aus Hannover

    Peter+Monika

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